Oliver Wieber, Leiter Private Banking, zur aktuellen Lage im Iran und an den Finanzmärkten
27.03.2026
Die Lage im Iran-Krieg verschärft sich zunehmend und wirkt sich auf die globalen Energie- und Finanzmärkte aus.
Aktuell herrscht eine starke Diskrepanz zwischen den Darstellungen der jeweiligen Kriegsparteien:
- Position der USA: US-Präsident Trump behauptet, es finden "gute Gespräche" statt und eine Einigung sei in greifbarer Nähe. Er suggeriert, Teheran wolle den Deal verzweifelt, traue sich dies aber aus Angst vor internen Hardlinern nicht öffentlich zuzugeben.
- Position des Iran: Der iranische Außenminister Abbas Araghchi bestreitet direkte Verhandlungen und betont, man werde nicht unter Beschuss verhandeln. Zwar räumt Teheran den Austausch von Nachrichten über Vermittler (wie Oman oder Pakistan) ein, bezeichnet die US-Vorschläge jedoch als "maximalistisch und unvernünftig"
Eine wichtige Insel steht dabei immer im Mittelpunkt, die Insel Kharg. Diese spielt eine Schlüsselrolle für den iranischen Ölhandel auf dem Weltmarkt. Im Gegensatz zu den meist flachen Küstenabschnitten des Iran im Persischen Golf ermöglichen die tiefen Gewässer rund um Kharg das Anlegen von Supertankern. Die Insel befindet sich rund 26 Kilometer vor der iranischen Küste und liegt etwa 483 Kilometer nordwestlich der strategisch wichtigen Straße von Hormus. Kharg gilt als verwundbarer Punkt im iranischen Exportnetz, da dort über 90 Prozent der gesamten iranischen Ölausfuhren abgewickelt werden. Bereits seit den 1960er Jahren ist der Iran für den Seetransport seines Öls auf diese Insel angewiesen. Ein erheblicher Teil des von Kharg verschifften Rohöls wird nach China exportiert, dem größten Ölimporteur der Welt. Als drittgrößtes Mitglied der OPEC trägt der Iran etwa 4,5 Prozent zur weltweiten Ölversorgung bei. Die tägliche Fördermenge beträgt rund 3,3 Millionen Barrel Rohöl, ergänzt durch weitere 1,3 Millionen Barrel an Kondensaten und anderen Flüssigkeiten. Laut Medienberichten reagiert die iranische Führung aktuell auf eine drohende Bodenoperation der USA mit einer massiven Militärisierung. Zusätzliche Truppen, moderne Luftabwehrsysteme und großflächige Minengürtel sollen das „Kronjuwel“ der iranischen Wirtschaft sichern.
Die anhaltenden Angriffe und Gegenschläge unterbrechen die Warenströme aus der Golfregion. Besonders asiatische Volkswirtschaften sind auf Öl und Gas aus dieser Region angewiesen. Ein längerer Krieg könnte nicht nur zu weiteren Preissteigerungen führen, sondern auch Lieferketten für zahlreiche Produkte gefährden. Der Ölpreis ist bereits deutlich gestiegen, während die Aktienmärkte in Asien und Europa unter Druck geraten sind.
Auch der Goldpreis, der in Krisenzeiten oft als sicherer Hafen gilt, ist im Zuge des Iran-Kriegs stark gefallen – ebenso wie der Silberpreis. Die Unsicherheit an den Märkten ist groß, was sich in deutlichen Kursverlusten an den Börsen widerspiegelt. Der aktuelle 15- Punkteplan von Präsident Trump basiert scheinbar auf einem Dokument aus 2025. Der Iran hat bereits mit eigenen Forderungen geantwortet. Die Angebote beider Parteien erscheinen eher unrealistisch.
Anleger stehen vor der Frage, wie sie auf die Unsicherheiten reagieren sollen. Oliver Wieber und das Beraterteam der VR VerbundBank eG raten dazu, Ruhe zu bewahren und an einer langfristigen Anlagestrategie festzuhalten. Insgesamt zeigt die aktuelle Krise, wie eng politische Konflikte, Energieversorgung und Finanzmärkte miteinander verknüpft sind.
Unsicherheit als neue Normalität?
In der Ausgabe von „Im Blick“ beschäftigt sich unser Leiter Private Banking, Oliver Wieber mit der Eskalation im Nahen Osten und schaut dabei auf die aktuelle Situation sowie auf mögliche Folgen für Handel und Wirtschaft.
Seit längerer Zeit halten geopolitische Spannungen die Menschen und Kapitalmärkte in Atem. Donald Trump steht auch diesmal wieder im Mittelpunkt der Eskalation zwischen den USA und dem Iran. Erst kürzlich verunsicherte der Präsident der Vereinigten Staaten die Marktteilnehmer, nachdem er für eine spektakuläre Entführung in Venezuela sorgte und seinen Anspruch auf Grönland öffentlich formulierte. Die aktuelle militärische Zuspitzung im Nahen Osten sorgt weltweit für erhebliche wirtschaftliche Unsicherheit und lässt geopolitische Risiken erneut in den Mittelpunkt der globalen Finanzmärkte rücken. Besonders die Lage rund um die strategisch bedeutende Straße von Hormus gilt als zentraler Risikofaktor für Energieversorgung und Weltwirtschaft.
Geopolitische Lage verschärft Energie-Risiken
Die Spannungen in der Region haben die Sorge vor Lieferunterbrechungen am Ölmarkt verstärkt. Ein bedeutender Teil (20 %) des globalen Rohöltransports verläuft durch die Meerenge am Persischen Golf. Entsprechend reagierten die Energiemärkte mit deutlichen Preisanstiegen. Höhere Ölpreise erhöhen weltweit die Produktions- und Transportkosten und könnten den Inflationsdruck erneut verstärken.
Bereits vor der aktuellen Eskalation befand sich der Iran in einer schweren wirtschaftlichen Krise mit hoher Inflation und Währungsabwertung. Die innenpolitische Instabilität verschärft nun zusätzlich die geopolitischen Spannungen.
Aktienmärkte aktuell unter starkem Druck
An den internationalen Börsen dominiert Risikoaversion. Seit Jahresbeginn – insbesondere in den vergangenen Tagen – verzeichnen wichtige Leitindizes erhöhte Volatilität. Der DAX 40 und der EuroStoxx 50 gerieten im Zuge der geopolitischen Zuspitzung spürbar unter Druck. Europäische Aktien reagieren sensibel auf Energiepreisrisiken und Konjunktursorgen. Der S&P 500 zeigte sich im bisherigen Jahresverlauf robuster, verzeichnete jedoch ebenfalls deutliche Schwankungen.
Anleger reduzieren vor allem Engagements in konjunkturabhängigen Branchen, während defensive Sektoren relative Stärke zeigen.
Analysten beobachten eine Risikoprämie, die höher ist als üblich – das bedeutet, Anleger verlangen mehr Risikoaufschlag, um Aktien zu halten.
Flucht in sichere Häfen
Die Unsicherheit führt zu Umschichtungen in klassische „Safe-Haven“-Anlagen, was sich daran zeigte, dass der Dollar gegenüber vielen Währungen aufwertete. Investoren setzen verstärkt auf liquide und sicher Anlagemodelle.
Auch der Goldpreis legte wiederholt deutlich zu und profitiert von seiner Rolle als Krisen- und Inflationsschutz.
Die Kryptowährung Bitcoin zeigte sich sehr volatil. Zwar gilt sie teilweise als alternatives Wertspeicherinstrument, reagiert jedoch weiterhin empfindlich auf globale Risikobewe-gungen.
Gefahr für Wachstum und Preisstabilität
Ökonomen warnen vor einer möglichen Stagflation; steigende Energiepreise könnten die Inflation anheizen, während gleichzeitig das globale Wachstum gebremst wird. Besonders energieintensive Volkswirtschaften in Europa wären hiervon betroffen. Zentralbanken stehen damit vor einem geldpolitischen Dilemma zwischen Inflationsbekämpfung und Konjunkturstützung.
Die weitere Entwicklung hängt maßgeblich von der Dauer und Intensität der militärischen Auseinandersetzungen ab. Eine schnelle diplomatische Lösung könnte die Märkte stabilisieren, wohingegen eine anhaltende Eskalation die Risiken für Energieversorgung, Welthandel und Kapitalmärkte weiter verschärfen dürfte. Aktuell gehen wir nicht davon aus, dass sich das Mulla-Regime eine Niederlage eingestehen wird und somit den Weg für ein Ende der Auseinandersetzung ebnen wird. Es ist davon auszugehen, dass es Trump sein wird, der seine Operation im Nahen Osten als „erfolgreich durchgeführt“ ansehen wird und damit den Krieg zu einem Ende führen wird.
Die Finanzmärkte bleiben vorerst in einem von geopolitischer Unsicherheit geprägten Umfeld – mit hoher Volatilität und verstärkter Nachfrage nach sicheren Anlageformen.
Fazit: In diesen unsicheren Zeiten zeigt sich die wichtigste Prämisse für die Geldanlage: Diversifikation. In volatilen Marktphasen kann sich eine ausgewogene und breit aufgestellte Vermögensstrategie als richtige Lösung herausstellen, um damit Risiken abzupuffern und somit rechtzeitig von sich ergebenden Chancen zu profitieren. Mit ratierlichen Investitionen – z.B. auf monatlicher Basis - ist zudem ein sogenannter „Cost Average“ zu erzielen, welcher das Risiko reduziert, zum falschen Zeitpunkt zu investieren und den Anlagewert geschickt auf einen längeren Zeitraum verteilt.
Auch wenn Spannungen zu kurzfristigen Unsicherheiten führen, halten wir dennoch an unserer Meinung fest, dass der strategische Ausbau von Substanzwerten ein wesentlicher Bestandteil des Anlageerfolgs bleiben wird, denn die positiven Aussichten und Gewinnprognosen stützen unsere Einschätzung. Gerade Emerging Markets rücken nach einer beeindruckenden Wertentwicklung im Jahr 2025 weiter in den Fokus der professionellen Assetmanager. Mit Spannung dürfte hierbei auf die Entwicklung des USD geblickt werden. Auch Gold dürfte seine eingeschlagene Richtung beinhalten, da Staaten, Zentralbanken und private Investoren das Edelmetall weiterhin verstärkt nachfragen werden.
Sie haben Fragen? Sprechen Sie Ihren Berater/Ihre Beraterin gerne an, wir freuen uns auf Sie.
Link: vr-verbundbank.de/zinsen
Stand: März 2026
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